Management-Fehler, schlechte Führung, ineffizientes Team, Zielkonflikt. Es gibt viele Gründe für Probleme. Optimierungen von Prozessen und Verfahren sollen Abhilfe schaffen. Doch das klappt nur bedingt, denn es sind Menschen, die mit Prozessen und Verfahren umgehen und Ziele erreichen sollen. Wir machen auch weiterhin Fehler, verlieren den Überblick, sind nicht immer voll motiviert oder handeln falsch. Zudem wissen wir, je komplexer Aufgaben und knapper Zeitfenster sind, desto mehr geht schief, weil Stress und Druck entstehen. Die Luftfahrt weiß warum das so ist. Und kennt passende Lösungswege. Würden Piloten keine Lösungen kennen, würden Sie nämlich nicht mehr ins Flugzeug steigen. In der Luftfahrt geht es darum, den subjektiven Workload und Stress in den Griff zu bekommen, damit weniger Fehler passieren. Ganz kann man Fehler nie vermeiden. Wir sind ja nur Menschen. Doch passende Werkzeuge und Verfahren – nennen wir sie Tools – können helfen, Risiken und Fehler rechtzeitig zu erkennen. So bleiben Konsequenzen gering beziehungsweise vorhersehbar. Ziele werden erreicht, das Budget geschont. Sowohl als Kampf- als auch als Verkehrspilot muss ich Risiken und Fehler sehen, bevor sie eintreten.

Piloten lernen ein Leben lang. Technik, Systemkunde, Meteorologie, Aerodynamik, Flugphysik. Ob Simulator, Klassenzimmer oder Flugzeug. Wir kennen unsere Leistung und Motivation, Einstellung und Kompetenz. Blicken auf Fehler und Schwächen. Aber auch auf Stärken und Talent. Doch das allein führt nicht dazu, dass Fliegen die sicherste Fortbewegung der Welt ist. Das sorgt nicht dafür, dass Sie unbesorgt in mein Flugzeug steigen. Ein wichtiger Baustein fehlt. Etwas, das täglich für tausende sichere und pünktliche Starts und Landungen sorgt. Das für Milliarden unfallfreie Flugkilometer sorgt und Passagiere sicher ans Ziel bringt. Es ist das AIRMANSHIP!

AIRMANSHIP ist nicht einfach zu verstehen, eine exakte Definition ist schwer. Doch jeder Pilot erkennt es, wer er/sie es sieht. Piloten sind Soft-Skills Experten. Sie verstehen viel von nicht-technischen Aspekten im Job. Von den Human Factors, den menschlichen Faktoren. Warum? Weil wir täglich Workload, Stress und Fatigue in den Griff kriegen müssen, um zu überleben. Human Factors ist Pflicht-Fach. Zu Beginn der Ausbildung, jedes Jahr wieder. Nimmt man nicht teil, fliegt man nicht. Es geht um nicht-technische Herausforderungen und Probleme im Alltag, zusammen mit Verständnis von Grenzen menschlicher Leistung. Die Schulung nennt sich Crew Resource Management (CRM). Ziel ist es, Piloten/-innen genau das AIRMANSHIP zu vermitteln, das sie für ihre Tätigkeit brauchen. Nach mehr als 30 Jahren befinden wir uns in der 6. CRM-Generation. Es hat sich viel Wissen angehäuft.

Sogenannte High Reliability Organisations (HRO´s) wissen das und haben sich in den letzten Jahren viel von uns abgeschaut. Seefahrt, Medizin, Energiewirtschaft, Polizei, Notfalldienste, Pharma-Industrie. Überall trifft man auf Verfahren, Methoden und Werkzeuge (Tools) aus der Luftfahrt. Denn nicht nur im Flugzeug ist es wichtig, die eigene Leistungsfähigkeit und Tagesform zu kennen, auf Fatigue und situative Aufmerksamkeit zu achten, sich um effizientes Zeit- und Risiko-Management zu kümmern sowie pünktliche und richtige Entscheidungen zu treffen. Wir alle haben anspruchsvolle Aufgaben, wollen flexibel sein und Regeln und Grenzen einhalten. Warum also nicht mehr von den wirksamen Tools erfahren?

AIRMANSHIP lässt sich übertragen. Auf Führungskräfte und Mitarbeiter. Dann nennen wir es LEADERSHIP. Das führt zu der Fähigkeit, sich selbst und andere zu führen beziehunsgweise Aufgaben und Ziele besser zu managen. Selbst- und Eigenmanagement verbindet sich mit Führungsfähigkeit. Zufriedenheit und Motivation entstehen.

Es lässt sich auf Mediziner übertragen. Dann nennen wir es DOCTORSHIP. Es verbindet Einstellung und Disziplin (Attitude) mit Compliance-Willen. Handwerkliche Skills mit gutem Fehler-Management und Situationsbewusstsein.

Es lässt sich auf Projektmanager übertragen. Dann nennen wir es PROJECTMANSHIP. Es vereint Teamfähigkeit ohne Zielkonflikte. Verknüpft effiziente Kommunikation mit Redundanz. Erlaubt richtige und pünktliche Entscheidungen ohne Stress und Druck.